Wie wird ein Existenzlohn berechnet?

Den Existenzlohn für eine ganze Region zu berechnen, ist von großer Wichtigkeit, um sicherzustellen, dass ArbeiterInnen angemessen bezahlt werden, aber auch, um zu vermeiden, dass Unternehmen aufgrund unterschiedlicher Lohnniveaus von einem Land zum nächsten ziehen, um dort zu produzieren, wo sie niedrigere Kosten vorfinden – das sogenannte race to the bottom.

Die Berechnung von Existenzlöhnen muss einige gemeinsame Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören die Anzahl der zu unterstützenden Familienmitglieder, der Grundbedarf an Nahrungsmitteln einer/eines Arbeiterin/Arbeiters und andere Grundbedürfnisse, darunter Wohn-, Gesundheits- und Bildungskosten sowie Ersparnisse.


Die Clean Clothes Kampagne ist Teil der Asia Floor Wage Alliance, eines Zusammenschlusses von asiatischen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen, die folgende Formel für einen asiatischen Existenzlohn festgelegt hat.


Die Berechnungen der Asia Floor Wage Alliance beruhen auf folgenden Annahmen:

  1. Ein/e Arbeiter/in muss in der Lage sein, sich selbst und zwei weitere sogenannte Konsumeinheiten zu versorgen (1 Konsumeinheit = 1 Erwachsener oder 2 Kinder)
  2. Ein/e Näher/in benötigt 3000 Kalorien am Tag, um ihre/seine Arbeit verrichten zu können
  3. Ein/e Arbeiter/in in Asien verwendet die Hälfte ihrer/seiner monatlichen Ausgaben auf Lebensmittel.

Der asiatische Existenzlohn wird in Kaufkraftparitäten-Dollar (KKP$) berechnet. Dabei handelt es sich um eine fiktive Währung der Weltbank, die auf dem Konsum von Waren und Dienstleistungen beruht und den Vergleich von Lebensstandards in verschiedenen Ländern unabhängig von nationalen Währungen ermöglicht.

Die Asia Floor Wage Alliance führt in Asien regelmäßig Erhebungen zum Lebensmittel-Warenkorb durch, um den aktuellen asiatischen Existenzlohn zu berechnen. Der asiatische Existenzlohn 2013 beträgt 725 KKP$.

Existenzlohn außerhalb von Asien

Die Berechnung des asiatischen Existenzlohns kann nicht einfach auf andere Regionen übertragen werden, da gewisse Grundannahmen woanders nicht zutreffen. Dass Ausgaben für Lebensmittel die Hälfte des Einkommens beanspruchen, trifft beispielsweise in Asien zu, wo die Lebensmittelpreise relativ hoch sind, der Lebensstandard etwa beim Wohnen allerdings sehr niedrig ist. In anderen Regionen wie Osteuropa sind jedoch die Lebensmittelpreise im Vergleich zu den Wohnkosten verhältnismäßig geringer.

Die Partner der Clean Clothes Kampagne arbeiten daran, Existenzlöhne auch für andere textilproduzierende Regionen zu berechnen.

Aufgabe der Regierungen

Neben Marken, Einzelhandelsunternehmen und Arbeitgebern spielen nationale Regierungen eine entscheidende Rolle. Sie können ihre BürgerInnen vor ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen schützen.

Die meisten Regierungen legen zwar Mindestlöhne fest, üblicherweise sind diese jedoch nicht ausreichend, um eine vierköpfige Familie zu erhalten, ohne unter der nationalen Armutsgrenze zu leben. Um Investoren anzuziehen, legen viele textilproduzierende Länder gesetzliche Mindestlöhne fest, die unter dem Existenzminimum liegen. 

Die Regierungen müssen dafür sorgen, dass der gesetzliche Mindestlohn zumindest ein existenzsichernder Lohn ist und auch tatsächlich ausbezahlt wird. Sie sollten die Verantwortung der Unternehmen für das Leben der ArbeiterInnen in ihren Lieferketten regulieren. Dazu gehört das Recht der ArbeiterInnen auf einen existenzsichernden Lohn.

 Führungsrolle von Marken & Modehändler

Internationale Marken und Modehändler können und müssen sicherstellen, dass die ArbeiterInnen, die für sie Kleidung produzieren, einen Lohn zum Leben erhalten. Sie nehmen eine wichtige Position in der globalen Lieferkette der Bekleidungsindustrie ein und haben als große Auftraggeber in Schlüsselregionen wie Asien Einfluss darauf, ob die Forderungen nach Existenzlöhnen eingelöst werden.

Als wichtige Abnehmer können sie durch ihre Einkaufspraktiken bewirken, dass in ihrer Zulieferkette Löhne zum Leben bezahlt werden und Gewerkschaften Kollektivverhandlungen für die ArbeiterInnen führen können. Sie können zumindest Bedingungen schaffen, die es Arbeitgebern ermöglichen, Gesetze einzuhalten.

Die Clean Clothes Kampagne empfiehlt in ihrer Road to a Living Wage den Marken zehn Schritte, um langfristig und nachhaltig Löhne zum Leben zu sichern:

  1. Zustimmung zu einem Existenzlohn
  2. Unterstützung des Rechts auf Vereinigungsfreiheit
  3. Aufnahme von Verhandlungen mit ArbeitnehmerInnenvertreterInnen
  4. Öffentliche Anerkennung einer existenzsichernden Lohnforderung ( z.B.  Asia Floor Wage)
  5. Verbesserung der Einkaufspraktiken
  6. Setzen von konkreten und messbaren Schritten zur Einführung von Existenzlöhnen unter Einbeziehung von Zulieferern und Gewerkschaften
  7. Befürwortung von existenzsichernde Löhne gegenüber den Regierungen der Bezugsländer
  8. Transparente Auszahlung von Existenzlöhnen
  9. Kooperation mit anderen Unternehmen
  10. Präsentation eines konkreten Zeitplans zur Erreichung von Existenzlöhnen

Nähere Informationen zu diesen Schritten finden Sie hier

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