Warum einen asiatischen Grundlohn?

Tag für Tag machen sich Millionen von NäherInnen auf den Weg in Fabriken, um unter menschenunwürdigen Bedingungen Bekleidung für Markenfirmen zu nähen. Besonders betroffen sind dabei Frauen in Asien – 60 % der weltweiten Bekleidungsindustrie sind in Asien angesiedelt, 80 bis 90% der NäherInnen sind Frauen.


Gründe menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen

Erstens sind die Löhne so niedrig, dass die NäherInnen bis zur Erschöpfung (bis zu 80 Stunden pro Woche) arbeiten müssen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Dennoch leben sie meist unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Mangelhafte Ernährung und miserable Wohnverhältnisse sind die Regel.

Zweitens
sind die Arbeitsbedingungen katastrophal: zwölf Stunden Arbeit ohne Pause, keinerlei Kranken- oder Altersversicherung, kein Mutterschutz und keine Auszahlung von Überstunden sind die Realitäten, mit denen NäherInnen zu kämpfen haben.

Drittens
gibt es eine Reihe von systemischen Problemen: Kurzfristige Verträge zwischen Käufern (Markenfirmen) und Verkäufern (Fabriken) lassen keine nachhaltigen Investitionen in den Produktionsländern zu. Oft übersteigt das Auftragsvolumen die Produktionenkapazitäten. Die Folge ist, dass einfache Gebäude rasch zu Fabriken umfunktioniert. Sicherheitsstandards werden hierbei schlicht und einfach ignoriert. Zudem gibt es kaum Regierungskontrollen, was wiederum die unverantwortliche Unternehmensführung fördert.

Das Faktum, dass ein Existenzsichernder Lohn ein Menschenrecht ist, wird in der Bekleidungsindustrie völlig dem Wettbewerbsprinzip untergeordnet. Das Ziel ist immer dasselbe: Billig und schnell!

Das Dilemma der Gewerkschaften und Regierungen

Treten NäherInnen Gewerkschaften bei, um ihre Rechte besser geltend machen zu können, so werden sie eingeschüchtert, gekündigt oder sogar ins Gefängnis geworfen. Unter diesen Umständen und unter der Last der Armut ist es nur verständlich, dass ArbeiterInnen um ihren geringen Lohn bangen und daher lieber schweigen.

Auf dem Papier garantieren Regierungen in verschiedenen asiatischen Ländern einen gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn, an den sich auch die Fabriken zu halten haben. Nur ist dieser Mindestlohn so gering, dass er bei weitem nicht zum Leben reicht. Warum üben jedoch die Regierungen nicht mehr Druck auf die multinationalen Firmen aus, die billig in diesen Ländern produzieren lassen?

Die Antwort ist einfach: Die Bekleidungsindustrie stellt für viele asiatische Staaten ein wichtiges wirtschaftliches Standbein dar, wie das Beispiel Bangladesch gut verdeutlicht:  Die Bekleidungsindustrie beschäftigt mehr als 3,5 Mio. Menschen, ist für 75% der Exporte zuständig und erwirtschaftet über 15% des GDP. In keinem anderen Land der Welt ist der Mindestlohn derart niedrig: ArbeitgeberInnen zahlen in Bangladesch mit 32 US Cent den niedrigsten Stundenlohn der Welt.Würde die Regierung nun Druck auf die mächtigen Markenfirmen ausüben, so würden diese in Zukunft einfach keine Aufträge mehr an Zulieferer  ihres Landes vergeben und in andere, billigere Länder abwandern. Eines ist bei diesem race-to-the-bottom sicher: die ArbeiterInnen bekommen das kleinste Stück vom Kuchen, nämlich nicht mehr als 1 % von dem, was KonsumentInnen für Ihre Bekleidung zahlen.

Die Lösung: ein Asiatischer Grundlohn

Der Asiatische Grundlohn (Asian Floor Wage) versucht dieses systemische Problem bei den Wurzeln zu packen: Die mächtigen Player sind die Markenfirmen. Sie sind im Gegensatz zu den NäherInnen und Regierungen unabhängig und können nach Belieben entscheiden, wo sie produzieren lassen und wo nicht. Um dies zu unterbinden, braucht es einen einheitlichen internationalen Lohn, der für ganz Asien gilt. Dann würden sich Markenfirmen überall in Asien an dieselben Vorgaben halten müssen und ganze Länder und ihre ArbeiterInnen wären nicht mehr der Spielball der mächtigen Firmen.

Dieser einheitliche Lohn ist der Asian Floor Wage. Wie dieser für die wichtigsten kleidungsproduzierenden Länder Asiens berechnet wird, erfahren Sie hier

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