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Firmenprofil: Charles Vögele

Unternehmensdaten

Pfäffikon
Schweiz
1955
857 in Europa (in Besitz der Charles Vögele)
Börsenkotierte Aktiengesellschaft
1,548 Mio CHF (Bruttoumsatz Konzern 2009)
-14 Mio CHF (Konzernergebnis 2009)
Bangladesch, China, Volksrepublik, Griechenland, Indien, Indonesien, Italien, Litauen, Pakistan, Polen, Rumänien, Schweiz, Sri Lanka, Thailand, Türkei, Vietnam
Produktpalette: Herren-, Damen- und Kinderkleider der Marken Kingfield, Biaggini, Casa Blanca, Grandiosa, Tik & Tak, One by One, Cutting Edge

Kommentar der CCK

Charles Vögele ist Mitglied der Business Social Compliance Initiative (BSCI). BSCI ist eine Unternehmensinitiative. Wichtige Anspruchsgruppen wie Gewerkschaften oder NGOs sind in keinen leitenden Gremien vertreten. Es fehlt der BSCI daher eine breite zivilgesellschaftliche Abstützung, welche der Initiative eine höhere Glaubwürdigkeit geben würde. Die BSCI wurde gegründet, um die Bemühungen verschiedener Firmen zu bündeln und Doppelspurigkeiten, zum Beispiel bei Audits, zu verhindern – eine grundsätzlich sinnvolle Maßnahme. Das System will mittels Audits und Korrekturmaßnahmen sowie Trainings die Arbeitsbedingungen in den Fabriken verbessern. Ohne eine Verifizierung, das heißt die unabhängige Überprüfung der Umsetzung durch eine Multi-Stakeholder-Initiative in Zusammenarbeit mit lokalen NGOs und Gewerkschaften, werden viele Arbeitsrechtsverstöße aber oft gar nicht aufgedeckt. Maßnahmen in den Produktionsbetrieben allein reichen zudem nicht aus. Insbesondere die Einkaufspraxis der Markenfirmen hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob Verbesserungen überhaupt stattfinden können. Ohne eine regelmäßige unabhängige Analyse der Managementprozesse und Firmenpolitik der Markenfirmen fehlt BSCI daher ein weiteres wichtiges Standbein für die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Ein zentraler Mangel bei BSCI ist zudem, dass sich die Mitglieder nicht zur Bezahlung eines existenzsichernden Lohnes verpflichten.

Zur Stärkung der Rechte der ArbeiterInnen und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen tragen Gewerkschaften viel bei. Charles Vögele produziert unter anderem in Ländern, in denen die Gewerkschaftsfreiheit stark eingeschränkt ist, wie zum Beispiel China. Hier braucht es spezielle Maßnahmen, um die angemessene Vertretung der ArbeiterInnen dennoch sicherzustellen.

Über 90 Prozent der Produktion finden in Hochrisikoländern statt. Von den über 400 Lieferanten wurden letztes Jahr nur gerade rund 10 Prozent auditiert, und sogar nur 2 Prozent sind SA8000 zertifiziert. Es ist fraglich, inwieweit Charles Vögele wirklich auf die konsequente Verbesserung der Arbeitsbedingungen einwirken kann und überhaupt über Kenntnisse des Niveaus der Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten verfügt. Insgesamt sind bei Vögele nur gerade 80 Stellenprozente für soziale Verantwortung vorgesehen, für ein Unternehmen dieser Größe klar zu wenig. Ein ernsthaftes Engagement kann damit kaum betrieben werden.

Bezüglich Bio- und Fairtrade-Angebot sind bei Vögele sogar Rückschritte zu vermelden: Ein Bio-Sortiment wurde nach einer Testphase nicht weitergeführt.

Vögele beschäftigt sich momentan stark mit seinem Image und möchte vermehrt neue Kundschaft ansprechen. Eine bessere Investition wäre der klare Fokus auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten.

Transparenz

Charles Vögele hat den Fragebogen der CCK beantwortet und einige zusätzliche Dokumente mitgeliefert. Der Verhaltenskodex der Firma ist öffentlich zugänglich im Internet, in Verkaufsläden oder durch andere Informationskanäle. Die Firma liefert einige Information zur Struktur der Zulieferkette, der Produktionsländer und der Produktionsstätten. Ein Sozialbericht ist öffentlich zugänglich, aber er entspricht nicht internationalen Berichtsstandards (GRI). Charles Vögele liefert keine Ergebnisse von Fabrikaudits und es existieren auch keine Berichte mit Ergebnissen einer MSI-Verifizierung.

Verhaltenskodex

Das Unternehmen Charles Vögele hat einen Verhaltenskodex verabschiedet. Der Verhaltenskodex weist darauf hin, dass dort, wo lokale und internationale Arbeitsstandards variieren, der höhere Standard gelten soll. Charles Vögele erklärt nicht, dass die Firma für die Umsetzung des Verhaltenskodex in der gesamten Lieferkette (inkl. Unterlieferanten) verantwortlich ist. Das Unternehmen verpflichtet sich formell dazu grundlegende Arbeitsstandards – entsprechend den ILO Kernkonventionen – in der gesamten Lieferkette zu respektieren. Das Unternehmen verpflichtet sich nur dazu, den gesetzlichen Mindestlohn oder Standard-Industrielohn zu zahlen, d.h. keinen Existenzlohn. Der Verhaltenskodex der Firma beschränkt die wöchentliche Arbeitszeit auf 60 Stunden (48 Stunden plus 12 Stunden Überzeit). Es ist vereinbart, dass Überstunden nur gelegentlich geleistet und mit dem üblichen Zuschlag abgegolten werden müssen. Der Verhaltenskodex verlangt eine sichere und hygienisch einwandfreie Arbeitsumgebung in den Zulieferfabriken. Das Unternehmen verlangt nicht explizit, dass alle ArbeiterInnen einen Arbeitsvertrag erhalten. Über die oben erwähnten Arbeitsstandards hinaus ist der Verhaltenskodex in einzelnen Punkten nicht hinreichend genau. Er enthält keine Verpflichtung im Hinblick auf*:

  • die Garantie eines Existenzlohnes für einen regulären Arbeitstag ohne Überstunden

*Um mit den jüngsten Entwicklungen der international anerkannten Arbeitsrechtsnormen mitzuhalten (siehe Kodex unter: www.jo-in.org), müsste Charles Vögele den Firmenkodex bezüglich der folgenden Normen aktualisieren (und die folgenden ILO-Konventionen explizit anerkennen): 81, 122, 175, 177, und die ILO Empfehlungen: 143, 35, 90, 111, 168, 184).

Kodexumsetzung

Der Verhaltenskodex ist in die meisten Hauptsprachen der Länder übersetzt, aus denen das Unternehmen die Waren bezieht. Jeder Kaufvertrag legt die Verpflichtung des Zulieferers fest, den Kodex bei sich und seinen Unterlieferanten umzusetzen. Charles Vögele erklärt, dass in den Zulieferfabriken für einen Teil des Managements und der Belegschaft Trainings zu Arbeitsrechtsthemen organisiert oder gefördert werden. Entsprechend den vorliegenden Informationen beabsichtigt Charles Vögele nicht, die Zahlung eines Existenzlohns für alle ArbeiterInnen in der Zulieferkette zu implementieren. Charles Vögele hat nicht gezeigt, dass es sich der Tatsache bewusst ist, dass ein Teil der Produktionsstandorte in Ländern oder Zonen liegt, in denen Vereinigungsfreiheit gesetzlich nicht garantiert wird. Dem Unternehmen gelingt es nicht, die negativen Auswirkungen seiner eigenen Beschaffungspolitik auf Arbeitsbedingungen genügend umfassend zu berücksichtigen. Es existieren keine Maßnahmen, die zeigen wie die Planung verbessert werden kann, damit exzessive Überstunden vermieden werden.

Monitoring und Verifizierung

Das Unternehmen ist Mitglied der Business-Monitoringinitiative: BSCI. Charles Vögele konnte mit kohärenten Beispielen zeigen, dass Verstöße gegen den Verhaltenskodex mit einem Korrekturmaßnahmenplan angegangen werden. Das Unternehmen ist Mitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Social Accountability Initiative (SAI). Diese MSI führt jedoch keine unabhängige Verifizierung bei den Mitgliedfirmen durch.