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Firmenprofil: Helly Hansen

Unternehmensdaten

Oslo
Norwegen
1877
N/A
Altor Equity Partners
EUR 170 Mio. (2010)   
N/A
China, Volksrepublik, Indonesien, Philippinen, Polen, Schweden, Sri Lanka, Thailand, Türkei, Ukraine, Vietnam
Marken: HellyHansen Produkte: Bekleidung ( 94% des Umsatzes), Schuhe ( 5% des Umsatzes), Taschen ( 1% des Umsatzes)

Kommentar der CCK

Die nachfolgende Beurteilung der Unternehmenspolitik hinsichtlich Transparenz sowie der Implementierung und dem Monitoring von Arbeitsrechtsnormen basiert auf den Antworten des Unternehmens auf den Fragebogen der CCK und auf einer zusätzlichen Recherche, durchgeführt von der CCK.

Das norwegische Unternehmen Helly Hansen wurde im Jahr 1877 gegründet und war zu Anfang auf die Produktion von Ölzeug für SeglerInnen spezialisiert. Heute produziert Helly Hansen Arbeitskleidung und Oberbekleidung und ist ebenso präsent im Outdoor- und Sportsektor.

Helly Hansen stellte der CCC zahlreiche zusätzliche Dokumente zur Verfügung. Allgemein ist das Unternehmen aktiv und transparent, wenn es um Arbeitsbedingungen in der Zuliefererkette geht. Der Verhaltenskodex greift auf zahlreiche IAO-Kernkonventionen zurück: Nicht-Diskriminierung, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen, oder das Verbot von Kinderarbeit.

Allerdings verlässt sich das Unternehmen bei mehreren problematischen Themen, wie Überstunden oder Löhne, auf die nationalen Rechtsordnungen. In vielen dokumentierten Fällen zeigte sich der niedrige Standard der nationalen Regelungen bzw. die Nichteinhaltung der nationalen Gesetze.

Überstunden versucht das Unternehmen zu vermeiden, indem es den Lieferanten einen Kapazitätsplan für die Produktionssaison gibt. Beim Thema Löhne besagt der Verhaltenskodex: Die Löhne müssen mindestens dem gesetzlich vorgeschriebenen, nationalen Mindestlohn oder dem branchenüblichen Lohn entsprechen, je nachdem welcher höher ist. Die Löhne müssen ausreichen, um die Grundbedürfnisse der ArbeiterInnen zu decken, die durch den Sozialstandard des Landes bestimmt sind. Allerdings gibt Helly Hansen nicht ausdrücklich an, dass ein existenzsichernder Lohn gezahlt werden muss.

Ein effektives und transparentes Engagement im Bereich Unternehmensverantwortung wäre der Beitritt von Helly Hansen in eine glaubwürdige Multi-Stakeholder Initiative, die die Zahlung eines existenzsichernden Lohns vorsieht.

Transparenz

Helly Hansen hat den Fragebogen der CCK beantwortet und zusätzliche Dokumente mitgeliefert. Der Verhaltenskodex der Firma ist öffentlich zugänglich im Internet, in Verkaufsläden oder durch andere Informationskanäle. Die Firma liefert einige Information zur Struktur der Zulieferkette, der Produktionsländer und der Produktionsstätten. Es existiert kein Sozialbericht. Helly Hansen liefert Ergebnisse von Fabrikaudits, aber es existieren keine Reports mit Ergebnissen einer MSI-Verifizierung.

Verhaltenskodex

Das Unternehmen Helly Hansen hat einen Verhaltenskodex verabschiedet. Der Verhaltenskodex weist nicht darauf hin, dass dort, wo lokale und internationale Arbeitsstandards variieren, der höhere Standard gelten soll. Helly Hansen erklärt, dass die Firma für die Umsetzung des Verhaltenskodex in der gesamten Lieferkette (inkl. Unterlieferanten) verantwortlich ist. Das Unternehmen verpflichtet sich formell dazu grundlegende Arbeitsstandards – entsprechend den ILO Kernkonventionen – in der gesamten Lieferkette zu respektieren. Das Unternehmen verpflichtet sich nur dazu, den gesetzlichen Mindestlohn oder Standard-Industrielohn zu zahlen, d.h. keinen Existenzlohn. Es gibt keine Beschränkungen bezüglich der wöchentlichen Arbeitszeit. Der Verhaltenskodex verlangt eine sichere und hygienisch einwandfreie Arbeitsumgebung in den Zulieferfabriken. Das Unternehmen verlangt nicht explizit, dass alle ArbeiterInnen einen Arbeitsvertrag erhalten. Über die oben erwähnten Arbeitsstandards hinaus ist der Verhaltenskodex in einzelnen Punkten nicht hinreichend genau. Er enthält keine Verpflichtung im Hinblick auf*:

- Bestimmungen über vorübergehende Maßnahmen im Interesse der Kinder und ihrer Familien, wenn Kinderarbeit vorgefunden wird

 - Sonderbestimmungen für ArbeiterInnen unter 18 Jahren (z.B. Ausbildung, keine Nachtarbeit)

 - Bezahlung von Überstunden zum erhöhten Stundenansatz

 - die Garantie eines Existenzlohnes für einen regulären Arbeitstag ohne Überstunden

- Verbot willkürlicher Strafen, insbesondere bei Krankheit oder Schwangerschaft

* Um mit den jüngsten Entwicklungen der international anerkannten Arbeitsrechtsnormen mitzuhalten (siehe Kodex unter: www.jo-in.org), müsste Helly Hansen den Firmenkodex bezüglich der folgenden Normen aktualisieren (und die folgenden ILO-Konventionen explizit anerkennen): 135,  1,  81,  122,  131,  154,  155,  159,  175,  177,  183, und die ILO Empfehlungen: 143,  35,  146,  164,  168,  184,  190 ).

Kodexumsetzung

Der Verhaltenskodex ist in die meisten Hauptsprachen der Länder übersetzt, aus denen das Unternehmen die Waren bezieht. Jeder Kaufvertrag legt die Verpflichtung des Zulieferers fest, den Kodex bei sich und seinen Unterlieferanten umzusetzen.  Es gibt keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass das Unternehmen Helly Hansen Trainings zu Arbeitsrechtsfragen organisiert oder fördert. Entsprechend den vorliegenden Informationen beabsichtigt Helly Hansen nicht, die Zahlung eines Existenzlohns für alle ArbeiterInnen in der Zulieferkette zu implementieren.  Entsprechend der gelieferten Information liegen einige der Produktionsstandorte in Ländern oder Zonen, in denen Vereinigungsfreiheit gesetzlich nicht garantiert wird. Helly Hansen berücksichtigt zu einem gewissen Grade, dass die eigene Beschaffungspolitik Auswirkungen auf die Zulieferer hat. Das Unternehmen hat einige Prozeduren etabliert, welche den Zulieferern zeigen, wie Planung verbessert und damit übermäßige Überstunden vermieden werden können.

Monitoring und Verifizierung

Helly Hansen reagiert auf Verstöße gegen den Verhaltenskodex mit einem Korrekturmaßnahmenplan. Das Unternehmen ist Mitglied der Multi-Stakeholder-Initiative ETI Norwegen. Diese MSI führt jedoch keine unabhängige Verifizierung bei den Mitgliedfirmen durch.