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Firmenprofil: Schöffel

Unternehmensdaten

Schwabmünchen
Deutschland
1804
ca. 2.400
Hubert Schöffel und Peter Schöffe
EUR 93,5 Mio.
N/A
Bulgarien, China, Volksrepublik, Deutschland, Indonesien, Italien, Lettland, Polen, Rumänien, Serbien, Türkei, Ungarn, Vietnam
Marken: Schöffel, Schöffel Professional Wear, Schöffel Country Wear Produkte: Bekleidung (100% des Umsatzes)

Kommentar der CCK

Die nachfolgende Beurteilung der Unternehmenspolitik hinsichtlich Transparenz sowie der Implementierung und dem Monitoring von Arbeitsrechtsnormen basiert auf den Antworten des Unternehmens auf den Fragebogen der CCK und auf einer zusätzlichen Recherche, durchgeführt von der CCK.

 

Schöffel ist ein traditioneller Familienbetrieb, der seit gut 200 Jahren besteht. Das Unternehmen produziert funktionelle Sportbekleidung.

Schöffel wurde Anfang 2011 Mitglied der Multi-Stakeholder-Initiative Fair Wear Foundation (FWF). Mit der Mitgliedschaft ging das Unternehmen eine umfassende Verpflichtung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten ein. Diese beinhaltet eine Verifizierung in den Fabriken vor Ort unter Einbezug von lokalen NGOs und Gewerkschaften, wie auch eine regelmäßige Bewertung der Managementprozesse in der Markenfirma selbst.

Auf der FWF-Website findet sich der Schöffel Sozial-Bericht von 2011 und ein FWF-Brand-Performance Check von 2012. Damit wird eine hohe Transparenz über Fortschritte und Herausforderungen in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen gewährleistet. Bei der Verifizierung wird der konkrete Umsetzungsfortschritt in den Fabriken gemessen und überprüft, ob die von der Mitgliederfirma und der Fabrik getroffenen Maßnahmen auch tatsächlich zu Verbesserungen führen. Die Firma übernimmt damit einen wichtigen Teil der Verantwortung bei der Umsetzung der Richtlinien und schiebt diese nicht einfach an den Lieferanten ab. Hervorzuheben ist zudem, dass sich die Firma zur Bezahlung von existenzsichernden Löhnen verpflichtet. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass den ArbeiterInnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird.

Die FWF bescheinigt Schöffel, dass das Unternehmen die Management-Anforderungen der FWF erfüllt und bei vielen noch darüber hinaus geht.

FWF-Audits in drei Fabriken stellten fest, dass zwar der lokale Mindestlohn, nicht jedoch ein existenzsichernder Lohn bezahlt wurde, wie ihn lokale Stakeholder als angemessen einstufen würden.

Schöffel ging aktiv auf andere Auftraggeber zu und organisierte gemeinsame Audits sowie, wenn nötig, gemeinsame Korrekturpläne. Mit diesen anderen Auftraggebern tauschte Schöffel detaillierte Informationen über den Nachfolgeprozess aus und diente somit als Positivbeispiel für andere Unternehmen.

Als positive Weiterentwicklung seit dem Ende der Befragung ist die Leitlinie für Kinderarbeit zu nennen (veröffentlicht im Oktober 2012). Sie präzisiert das Vorgehen, wenn Kinderarbeit in einem Zulieferbetrieb aufgedeckt wurde. Die von der Fair Wear Foundation erarbeitete Leitlinie ist für alle Mitgliedsunternehmen gültig, d.h. auch für Schöffel.

Transparenz

 Schöffel hat den Fragebogen der CCK beantwortet und zusätzliche Dokumente mitgeliefert. Der Verhaltenskodex der Firma ist öffentlich zugänglich im Internet, in Verkaufsläden oder durch andere Informationskanäle. Die Firma liefert einige Information zur Struktur der Zulieferkette, der Produktionsländer und der Produktionsstätten. Ein Sozialbericht ist öffentlich zugänglich. Schöffel liefert Ergebnisse von Fabrikaudits und es existieren MSI Verifizierungs-Reports.

Verhaltenskodex

Das Unternehmen Schöffel hat einen Verhaltenskodex verabschiedet. Der Verhaltenskodex weist darauf hin, dass dort, wo lokale und internationale Arbeitsstandards variieren, der höhere Standard gelten soll. Schöffel erklärt, dass die Firma für die Umsetzung des Verhaltenskodex in der gesamten Lieferkette (inkl. Unterlieferanten) verantwortlich ist. Der Verhaltenskodex beinhaltet Maßnahmen, um diesen in den Arbeitsstätten zu implementieren, und die Einhaltung zu überprüfen. Das Unternehmen verpflichtet sich formell dazu grundlegende Arbeitsstandards – entsprechend den ILO Kernkonventionen – in der gesamten Lieferkette zu respektieren. Das Unternehmen verpflichtet sich dazu, dem Recht der ArbeiterInnen auf einen Existenzlohn nachzukommen (d.h. ein Lohn der bei einer Regelarbeitszeit den Grundbedarf der ArbeiterInnen und ihrer Familie deckt und zusätzlich frei verfügbares Einkommen übrig lässt). Der Verhaltenskodex der Firma beschränkt die wöchentliche Arbeitszeit auf 60 Stunden (48 Stunden plus 12 Stunden Überzeit). Es ist vereinbart, dass Überstunden nur gelegentlich geleistet und mit dem üblichen Zuschlag abgegolten werden müssen. Der Verhaltenskodex verlangt eine sichere und hygienisch einwandfreie Arbeitsumgebung in den Zulieferfabriken. Das Unternehmen verlangt explizit, dass alle ArbeiterInnen einen Arbeitsvertrag erhalten. Über die oben erwähnten Arbeitsstandards hinaus ist der Verhaltenskodex in einzelnen Punkten nicht hinreichend genau. Er enthält keine Verpflichtung im Hinblick auf *:

- Bestimmungen über vorübergehende Maßnahmen im Interesse der Kinder und ihrer Familien, wenn Kinderarbeit vorgefunden wird

 - das Verbot des Arbeitgebers, Kautionen einzufordern oder Personalausweise zurückzubehalten

* Um mit den jüngsten Entwicklungen der international anerkannten Arbeitsrechtsnormen mitzuhalten (siehe Kodex unter: www.jo-in.org), müsste Schöffel den Firmenkodex bezüglich der folgenden Normen aktualisieren (und die folgenden ILO-Konventionen explizit anerkennen): 81,  122,  159,  175,  177,  183, und die ILO Empfehlungen: 35, 90,  146,  164,  168,  184,  190 ).

Kodexumsetzung

Der Verhaltenskodex ist in alle Hauptsprachen der Länder übersetzt, aus denen das Unternehmen die Waren bezieht. Jeder Kaufvertrag legt die Verpflichtung des Zulieferers fest, den Kodex bei sich und seinen Unterlieferanten umzusetzen.  Schöffel erklärt, dass in den Zulieferfabriken für einen Teil des Managements und der Belegschaft Trainings zu Arbeitsrechtsthemen organisiert oder gefördert werden.  Schöffel verpflichtet sich zur Zahlung eines Existenzlohns in allen Produktionsstätten und hat eine glaubwürdige Methode entwickelt, wie ein Existenzlohn an jedem Produktionsstandort aussieht.  Entsprechend der gelieferten Information liegen einige der Produktionsstandorte in Ländern oder Zonen, in denen Vereinigungsfreiheit gesetzlich nicht garantiert wird. Schöffel berücksichtigt zu einem gewissen Grade, dass die eigene Beschaffungspolitik Auswirkungen auf die Zulieferer hat. Das Unternehmen hat einige Prozeduren etabliert, welche den Zulieferern zeigen, wie Planung verbessert und damit übermäßige Überstunden vermieden werden können.

Monitoring und Verifizierung

Schöffel reagiert auf Verstöße gegen den Verhaltenskodex mit einem Korrekturmaßnahmenplan. Das Unternehmen ist Mitglied der Multi-Stakeholder Verifizierungs-Initiative Fair Wear Foundation (FWF). Der Monitoring- und/oder Verifizierungsprozess beinhaltet die Konsultation lokaler zivilgesellschaftlicher Stakeholder.