Während die Outdoor-Unternehmen ihre Produkte gerne mit Nachhaltigkeit und dem Gefühl von grenzenloser Freiheit bewerben, müssen die ArbeiterInnen in den Produktionsländern tagtäglich an ihre Grenzen und darüber hinausgehen. ArbeiterInnen in Produktionsstätten von Outdoor-Unternehmen geben an, dass der Monatslohn nicht zum Leben reicht. „Es reicht nur für einige Schüsseln Fleisch oder Gemüse“, berichtet ein Arbeiter, der in einem vietnamesischen Zulieferbetrieb von Vaude und Columbia beschäftigt ist. Eine andere junge Arbeiterin führt aus: „Was wir hart verdienen, reicht gerade so. In ein Restaurant gehen oder etwas für Unterhaltung ausgeben, ist nicht drin.“ Um überhaupt zu überleben, arbeiten sie in Spitzenzeiten durchschnittlich 16 Stunden am Tag.
Unternehmensbefragung: Gipfelstürmer oder Trödler?
Im Rahmen des neuen CCK-Schwerpunkts „Discover Fairness! Aktiv für Menschenrechte.“ wurden 14 internationale Outdoor-Unternehmen nach ihren Maßnahmen für faire Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferbetrieben gefragt und Unternehmensprofile erstellt (siehe FIRMEN CHECK). Die Firmen wurden in 5 Kategorien eingeteilt: Gipfelstürmer, Spaziergänger, Einsteiger, Trödler und Verweigerer.Zwei der befragten Unternehmen schafften es in die Kategorie Gipfelstürmer, die Schweizer Unternehmen Odlo und Mammut. Informations-Verweigerer gab es keine. Alle Unternehmen zeigten sich mehr oder weniger transparent und stellten Informationen zur Verfügung.
„Der Gipfel ist noch für viele Firmen in weiter Ferne. Besonders das Bekenntnis zur Zahlung eines existenzsichernden Lohns fehlt beim Großteil der Unternehmen, und der ist ein Menschenrecht“, zeigt sich Michaela Königshofer, Koordinatorin der österreichischen Clean Clothes Kampagne, kämpferisch.
Das in Deutschland ansässige Unternehmen Tatonka trifft, wie auch andere VertreterInnen der Branche, keine Vorkehrungen für eine Mitbestimmung von ArbeiterInnen in Produktionsländern - und erhält somit Trödler-Status. Beim schwedischen Hersteller Fjällräven, beispielsweise, fehlen Obergrenzen für Überstunden, wodurch exzessiver Mehrarbeit in den Fertigungsstätten Tür und Tor geöffnet ist. Dafür gibt es nur den Einsteiger-Status.
Auch das deutsche Unternehmen Vaude befindet sich noch in dieser Kategorie. Das könnte sich aber bald ändern. Vaude und das noch schlechter eingestufte Unternehmen Schöffel haben in Aussicht gestellt, der Multi-Stakeholder-Initiative Fair Wear Foundation beizutreten. Damit würden sich die Unternehmen einem der weitest reichenden Verhaltenskodizes verpflichten.
Um Bewegung in die Outdoor-Branche zu bringen tourt die Clean Clothes Kampagne nun eine Woche mit einem Campingbus durch Österreich. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wird auf die Missstände in der Outdoor-Branche hingewiesen. „Mit einer Unterschriftensammlung wollen wir alle Outdoor-Unternehmen dazu motivieren, zu Gipfelstürmern in Sachen Fairness zu werden“, so Michaela Königshofer.
Aktionsstart in Innsbruck
In Innsbruck haben heute AktivistInnen des Südwind-Netzwerks I SHOP FAIR ein Outdoor-Camp für faire Arbeitsbedingungen aufgeschlagen. Den ganzen Tag über informieren sie PassantInnen und sammeln Unterschriften. Auf einer Kletterwand üben sich Groß und Klein im Gipfelstürmen. Weiter geht es dann nach Salzburg (5. Oktober), Linz (6. Oktober), Graz (7. Oktober) und Wien (8. Oktober).
Aktion in Graz
7. Oktober, 14:30 -17:30 Uhr am Grazer Hauptplatz
Am Tag für menschenwürdige Arbeit stellen AktivistInnen in drei Schaufenstern am Hauptplatz die Produktion, den Handel und den Konsum von Bekleidung nach, informieren PassantInnen und sammeln Unterschriften für faire Arbeitsbedingungen in der Outdoor-Branche.
Fototermin für JournalistInnen: 16:00 Uhr
Aktion in Wien
8. Oktober, 11.00 – 16:00, vor der Universität Wien, Schottentor
AktivistInnen werden ein Outdoor-Camp für faire Arbeitsbedingungen aufschlagen, PassantInnen informieren und Unterschriften sammeln. Zusätzlich wird ein Fotomoment inszeniert, bei dem Outdoor-Bekleidung vorgeführt und der Arbeitsplatz einer Näherin dargestellt wird.
Fototermin für JournalistInnen: 11:00 Uhr
Presseaussendungen mit Hintergrundinformationen zum Thema Sandstrahlen:
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