Firmenprofil: Tally Weijl


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Auf dem Weg


3/5

Monitoring und Verifizierung

Das Unternehmen ist nicht Mitglied einer Business-Monitoringinitiative. Die CCK hat keine Resultate der Monitoring Aktivitäten des Unternehmens. Tally Weijl lieferte keine Informationen darüber, mit welchen korrektiven Schritten Arbeitsrechtsverletzungen behoben werden. Das Unternehmen ist nicht in eine unabhängige Verifizierung durch einen Multi-Stakeholder-Ansatz involviert.

Transparenz

Tally Weijl hat den Fragebogen der CCK beantwortet und einige zusätzliche Dokumente mitgeliefert. Der Verhaltenskodex der Firma ist nicht öffentlich zugänglich im Internet, in Verkaufsläden oder durch andere Informationskanäle. Die Firma liefert nicht sehr umfassende Informationen zu den Produktionsländern und der Struktur der Lieferkette. Es existiert kein Sozialbericht. Tally Weijl liefert keine Ergebnisse von Fabrikaudits und es existieren auch keine Reporte mit Ergebnissen einer MSI-Verifizierung.

Kodexumsetzung

Das Unternehmen hat nicht offen gelegt, ob sein Verhaltenskodex in irgendeine Sprache eines Landes übersetzt wurde, aus der es die Waren bezieht. Jeder Kaufvertrag legt die Verpflichtung des Zulieferers fest, den Kodex bei sich und seinen Unterlieferanten umzusetzen. Es gibt keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass das Unternehmen Tally Weijl Trainings zu Arbeitsrechtsfragen organisiert oder fördert. Entsprechend den vorliegenden Informationen beabsichtigt Tally Weijl nicht, die Zahlung eines Existenzlohns für alle ArbeiterInnen in der Zulieferkette zu implementieren. Tally Weijl hat nicht gezeigt, dass es sich der Tatsache bewusst ist, dass ein Teil der Produktionsstandorte in Ländern oder Zonen liegt, in denen Vereinigungsfreiheit gesetzlich nicht garantiert wird. Dem Unternehmen gelingt es nicht, die negativen Auswirkungen seiner eigenen Beschaffungspolitik auf Arbeitsbedingungen genügend umfassend zu berücksichtigen. Es existieren keine Vorschriften, um den Einkäufern positive Anreize zu geben, damit sie bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken berücksichtigen und Aufträge bevorzugt an diese Produktionsstätten geben. Es existieren keine Maßnahmen, die zeigen wie die Planung verbessert werden kann, damit exzessive Überstunden vermieden werden.

Verhaltenskodex

Das Unternehmen Tally Weijl hat einen Verhaltenskodex verabschiedet. Der Verhaltenskodex weist darauf hin, dass dort, wo lokale und internationale Arbeitsstandards variieren, der höhere Standard gelten soll. Tally Weijl erklärt nicht, dass die Firma für die Umsetzung des Verhaltenskodex in der gesamten Lieferkette (inkl. Unterlieferanten) verantwortlich ist. Das Unternehmen verpflichtet sich formell dazu, grundlegende Arbeitsstandards zu respektieren, aber es verweist nicht explizit auf die einzelnen ILO Kernarbeitsnormen. Das Unternehmen verpflichtet sich dazu, den ArbeiterInnen einen Lohn zahlen, der den Grundbedarf der ArbeiterInnen und ihrer Familie deckt. Es wird aber nicht spezifiziert, dass sich dieser Lohn auf die Regelarbeitszeit bezieht, und es wird auch nicht darauf verwiesen, dass zusätzlich frei verfügbares Einkommen übrig bleiben soll. Es ist daher kein Existenzlohn. Der Verhaltenskodex der Firma beschränkt die wöchentliche Arbeitszeit auf 60 Stunden (48 Stunden plus 12 Stunden Überzeit). Es ist vereinbart, dass Überstunden nur gelegentlich geleistet und mit dem üblichen Zuschlag abgegolten werden müssen. Der Verhaltenskodex verlangt eine sichere und hygienisch einwandfreie Arbeitsumgebung in den Zulieferfabriken. Das Unternehmen verlangt explizit, dass alle ArbeiterInnen einen Arbeitsvertrag erhalten. Über die oben erwähnten Arbeitsstandards hinaus ist der Verhaltenskodex in einzelnen Punkten nicht hinreichend genau. Er enthält keine Verpflichtung im Hinblick auf*:

  • Bestimmungen über vorübergehende Maßnahmen im Interesse der Kinder und ihrer Familien, wenn Kinderarbeit vorgefunden wird
  • spezifische Schritte, um vernünftige Arbeitsbedingungen in solchen Ländern zu fördern, in denen nationale Gesetze das Vereinigungsrecht und die Rechte zu Kollektivverhandlungen einschränken
  • die Garantie eines Existenzlohnes für einen regulären Arbeitstag ohne Überstunden
  • den expliziten Hinweis auf die ILO-Kernkonvention 182 gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit

 *Um mit den jüngsten Entwicklungen der international anerkannten Arbeitsrechtsnormen mitzuhalten (siehe Kodex unter: www.jo-in.org), müsste Tally Weijl den Firmenkodex bezüglich der folgenden Normen aktualisieren (und die folgenden ILO-Konventionen explizit anerkennen): 182, 81, 122, 131, 154, 159, 175, 177, 183 und die ILO-Empfehlungen 35, 90, 111, 146, 164, 168, 184, 190.

Kommentar der CCK

Tally Weijl gehört zu den größeren Modefirmen mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen erwirtschaftet einen höheren Umsatz als Coop (Bekleidungssegment) oder PKZ und sogar doppelt so viel wie Schild. Bei der letzten Umfrage hat Tally Weijl nicht geantwortet, dieses Mal haben sie den Fragebogen ausgefüllt. Die Firma steckt aber bezüglich sozialer Verantwortung immer noch in den Kinderschuhen und unternimmt, gerade auch angesichts der Größe, viel zu wenig, um die Arbeitsbedingungen in den Herstellungsbetrieben zu verbessern. Auch ist die Transparenz nach wie vor äußerst mangelhaft -- der Verhaltenskodex wurde zwar gegenüber der Clean Clothes Kampagne (CCK) offengelegt, für alle anderen ist er aber nirgends einzusehen. Er ist außerdem nicht in die Sprachen der ArbeiterInnen übersetzt.

Zwischen dem Zeitpunkt der Erhebung und Veröffentlichung dieses Firmenprofils hat Tally Weijl den Verhaltenskodex in einigen Punkten angepasst. So werden zum Beispiel unterdessen alle ILO-Kernkonventionen erwähnt.

Angesichts der Tatsache, dass nahezu 100% der Herstellung in Hochrisikoländern stattfindet, ist es völlig unverständlich, dass Tally Weijl die Einhaltung und Umsetzung des Verhaltenskodex nicht von einer unabhängigen Verifizierungsstelle überprüfen lässt. Die Abstützung auf Audits allein reicht nicht aus, da hierbei viele Verstöße oft gar nicht zu Tage kommen.

Zur Stärkung der Rechte der ArbeiterInnen und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen tragen Gewerkschaften viel bei. Tally Weijl produziert zum Teil in Ländern, in denen die Gewerkschaftsfreiheit stark eingeschränkt ist, wie zum Beispiel China. Hier braucht es spezielle Maßnahmen, um die angemessene Vertretung der ArbeiterInnen dennoch sicherzustellen.

Tally Weijl hat keine Produkte aus Bio- oder Fairtrade-Baumwolle im Sortiment.

TALLY WEiJL hat den CCC-Fragebogen nicht beantwortet. Die Firma teilt der CCC mit, dass sie sich "im Moment bei einer solchen Umfrage nicht beteiligen werden". TALLY WEiJL sei daran, "viel in ihre internen Prozesse zu investieren" und nehme "sämtliche CR-Themen weiterhin sehr ernst." TALLY WEiJL stellt sich auf den Standpunkt, dass sich die Firma an Menschenrechte und Mindestlöhne halten würde und einen Verhaltenskodex habe, in welchem klar auf die ILO-Konventionen verwiesen werde und der von allen Lieferanten unterzeichnet werden müsse. Dieser gelte auch für die Sublieferanten, und darin sei auch die Zahlung der gesetzlich festgelegten Mindestlöhne enthalten. Zusätzlich würden die Fabriken in regelmässigen Abständen vom TALLY WEiJL Quality-Team vor Ort sowie von einer unabhängigen Auditing-Agentur überprüft.

Die CCC hat TALLY WEiJL seit mehreren Jahren zu mehr Transparenz und umfassenden Massnahmen für verbesserte Arbeitsbedingungen und Existenzlöhne in der eigenen Lieferkette aufgefordert. Als eine der grossen Modefirmen mit Sitz in der Schweiz ignoriert TALLY WEiJL weiterhin ihre Verantwortung und verweist lediglich auf die gesetzlichen Mindestlöhne, die jedoch in allen Produktionsländern weit unter dem Existenzminimum liegen. Es besteht bei TALLY WEiJL nach wie vor ein grundlegender Mangel an Transparenz bezüglich der Lieferkette und allfällig getroffener Massnahmen, um die Situation der ArbeiterInnen zu verbessern. Der CCC sind bezüglich Existenzlöhne in der Lieferkette keinerlei Fortschritte bekannt, die das Unternehmen in den letzten Jahren gemacht hätte. TALLY WEiJL arbeitet gemäss Informationen der CCC nicht mit Multistakeholder-Initiativen, Gewerkschaften und NGOs zusammen, um auf einen Existenzlohn hinzuarbeiten.

Das gesamte Firmenprofil auf Englisch findet sich hier.

Firmenposition zum Existenzlohn

TALLY WEiJL bekennt sich in keinem öffentlichen Dokument zur Einhaltung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der lokalen Arbeitsgesetze. Das Unternehmen verpflichtet sich öffentlich weder dazu, Löhne entsprechend eines Existenzlohnes noch entsprechend eines gesetzlichen Mindestlohnes zu zahlen. Es sind keine Maßnahmen von TALLY WEiJL bekannt, um auf die Bezahlung von Existenzlöhnen in der eigenen Lieferkette hinzuarbeiten.


Unternehmensdaten

Hauptsitz
Basel
Land
CH
Gegründet
1984
CEO:
Beat Grüring, Tally Elfassi-Weijl
Im Besitz von
Beat Grüring, Tally Elfassi-Weijl
Verkaufsstellen
553 in Europa, 15 weitere weltweit
Umsatz
261 Mio. Euro
Gewinn
nicht bekannt
Produktionsländer
Bangladesch, China, Volksrepublik, Ungarn, Indonesien, Indien, Korea, Republik, Marokko, Tunesien, Türkei, Taiwan, Ukraine, Vietnam
Web
www.tallyweijl.com/

Legende

  • Gut
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  • Nachlässig
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vergangene Schwerpunkte

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