Hintergrundinformationen Firmen Check 2014

Befragungsmethode

Die für den Firmen Check angewandte Befragungsmethodik wurde in Zusammenarbeit mit der Asia Floor Wage-Allianz entwickelt und ist ein gemeinsames Projekt des Clean Clothes Campaign Netzwerks. Wir hoffen, dass die erfassten Ergebnisse Firmen dazu ermutigen, von der Arbeit anderer zu lernen und dass durch die gesammelten Informationen Synergien zwischen Arbeitnehmerorganisationen und Unternehmen entstehen, um dem Ziel existenzsichernder Löhne näher zu kommen. Die Befragung beschränkt sich auf die Evaluation der Unternehmenspolitik und der Firmenpraktiken zur Lohnsteigerung auf Fabrikebene, aktuelle Lohnniveaus wurden nicht berücksichtigt und die gesammelten Informationen nicht unabhängig verifiziert.

Der Fragebogen an die Firmen bezieht sich direkt auf das von der Asia Floor Wage-Allianz entwickelte und oben beschriebene Konzept „In 10 Schritten zum Existenzlohn“. Die Firmen wurden dazu aufgefordert, konkrete Informationen zu ihrer Arbeit in verschiedenen Bereichen abzugeben -  von Schulungen und Kaufanreizen bis zu Lohnrichtwerten und Transparenzfragen. Ziel war es, zu erfassen, welche praktischen Schritte Markenunternehmen, um existenzsichernde Löhne zu erreichen.

Wir forderten 50 der einflussreichsten Modehändler Europas auf, an unserer Befragung teilzunehmen. Sie repräsentieren die Segmente Mode, Sportartikel, Discounter und Supermärkte ebenso wie Premium oder Luxus Marken. 15 dieser Unternehmen haben den Fragebogen nicht ausgefüllt. Wir haben daher diese Firmenprofile mittels öffentlich zugänglicher Informationen erstellt.

Zwischen Juni und September 2013 kontaktierten wir die Firmen und sendeten ihnen unsere Fragebögen. Zwischen Oktober und Dezember 2013 erhielten wir die Antworten. Wo nötig, stellten wir Klärungsfragen. Nach Durchsicht und Verarbeitung der Daten wurden die Unternehmen auf der Grundlage eines zuvor erstellten Kriterienkatalogs ausgewertet. Die Modehändler erhielten eine Note zwischen 1 und 10 Punkten in vier Bereichen, die nach Ansicht der Clean Clothes Kampagne entscheidend sind, wenn Unternehmen bezüglich Existenzlöhnen gebührende Sorgfaltspflicht (due dilligence) aufzeigen wollen. Von jeder Firma wurde so ein Profil erstellt, das Fortschritte im Bezug auf die Bezahlung existenzsichernder Löhne aufzeigt. Die Firmen erhielten vor der Veröffentlichung einen Entwurf der Profile und konnten diesen kommentieren und faktische Korrekturen anbringen. Das Firmenfeedback wurde in die Erarbeitung der Endfassung der Profile miteinbezogen und das Profil gegebenenfalls angepasst. Aus Transparenzgründen veröffentlichen wir auf den eingangs angegebenen Webseiten nebst den von uns erstellten Profilen auch die ausgefüllten Fragebögen der Firmen.

Umfang der Befragung

Wie ein Unternehmen im Bezug auf existenzsichernde Löhne abschneidet, ist unserer Ansicht nach ein guter Indikator dafür, inwieweit es sich für Arbeitsrechte im Allgemeinen engagiert. Deshalb haben wir uns in unserer Befragung auf das Thema Existenzlohn konzentriert. Bemühungen der Firmen zur Gewerkschaftsfreiheit sowie zu Einkaufspraktiken wurden ebenfalls berücksichtigt, denn das Engagement in diesen Bereichen trägt wesentlich zu einem Wandel in der Industrie bei.

Die Befragung konzentriert sich auf die Rechte von ArbeiterInnen, die Kleidung für große Markenfirmen herstellen. Die Situation von europäischen Angestellten im Einzelhandel, von BaumwollpflückerInnen oder von ArbeiterInnen in vorgelagerter Produktionsstufen (Spinnereien, Webereien, Färbereien) wurde bei dieser Befragung nicht mit einbezogen. Auch Umweltfragen und Tierrechte wurden nicht untersucht. Einige Firmen erzielen in diesen Bereichen möglicherweise positive Ergebnisse; aufgrund des Fokus unserer Befragung fanden diese Aspekte jedoch keinen Eingang in die Firmenbewertungen.

Uns ist auch wichtig darauf hinzuweisen, dass einige Firmen Maßnahmen in Aussicht gestellt haben. Diese Anstrengungen wurden nicht bewertet, da sich unsere Auswertung auf aktuelle Bemühungen und nicht auf bloße Absichtserklärungen stützt. In den Firmenprofilen erwähnen wir aber die relevanten Pläne einzelner Firmen auf dem Weg zu einem Existenzlohn.

Darstellung der Ergebnisse

Die Firmenprofile beruhen auf den Angaben der Firmen und wurden teilweise durch öffentlich zugängliche Informationen ergänzt.

Die Profile können einerseits die individuellen Bemühungen widerspiegeln, welche die für das Ausfüllen des Fragebogens verantwortlichen Personen investierten, andererseits die tatsächlich umgesetzte Arbeit. Das muss nicht negativ sein: Transparenz und Rechenschaft gegenüber Interessensgruppen sind ein wichtiger Teil einer verantwortungsvollen Arbeitsweise. Dennoch ist für die Endbeurteilung wichtig, auch andere Informationsquellen zu berücksichtigen. Wir haben daher versucht, wo immer möglich, die in den Profilen enthaltenen Informationen mittels weiterer Quellen zu überprüfen.

Bewertungsskala

Die Firmenprofile sind jeweils mit einer Farbe und einer Infografik versehen, um ersichtlich zu machen, wie weit die Unternehmen bei der Umsetzung eines Existenzlohnes sind. Die Farbstufen kennzeichnen zwar nicht das aktuelle Lohnniveau der ArbeiterInnen in der Produktionskette, zeigen aber, welche Firmen angefangen haben, einen Wandel aktiv herbeizuführen. Die Firmen wurden in vier Bereichen bewertet, die alle zum Erreichen einer soliden Existenzlohnstrategie beitragen. Die von der Clean Clothes Campaign definierten Schlüsselbereiche sind:

  • Stärkung der ArbeiterInnen
  • Zielgrößen und Einkaufspraxis
  • Dialog und Zusammenarbeit
  • Strategie zur Umsetzung eines Existenzlohnes


In jedem Bereich wurden maximal 10 Punkte vergeben, es konnte somit eine Höchstpunktzahl von 40 Punkten erzielt werden. Die Gesamtleistung der Firmen wird durch eine Farbe gekennzeichnet.
Kategorien:

  • Keine Antwort: Fragebogen nicht beantwortet
  • Ungenügend: Setzen sich kaum für die Bezahlung eines Existenzlohnes ein
  • Nachlässig: Anerkennen die Notwendigkeit eines Existenzlohnes, unternehmen
  • aber wenig  für dessen Umsetzung 
  • So lala: Haben erste Ansätze zur Bezahlung von Existenzlöhnen, diese sind bisher
  • aber nicht überzeugend
  • Auf dem Weg: Erste konkrete Schritte hin zur Bezahlung eines Existenzlohnes, sollten aber noch mehr tun  
  • Gut: Arbeiten maßgeblich an der Bezahlung eines Existenzlohnes und zeigen, dass die Maßnahmen zu höheren Löhnen führen. Keines der untersuchten Unternehmen bezahlt den ArbeiterInnen, die ihre Produkte herstellen, einen Lohn zum Leben und keines der Handelshäuser erreichte ein “gut”.

Hinweis zur Firmenbewertung

Die Untersuchung stützt sich auf Eigenangaben der Firmen sowie zusätzliche Internetrecherchen. Die Darstellung ist eine Momentaufnahme (Stand Ende 2013).  Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Bewertung darf nicht in der Form «Empfohlen von der CCC» zitiert oder für Werbezwecke verwendet werden.

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