MODE UM JEDEN PREIS? EXPERTEN VERLANGEN MEHR TRANSPARENZ FÜR KONSUMENTEN

Wien, 4.12. Ob billige T-Shirts oder teure Marken-Jeans und -Schuhe – vieles davon wird unter menschenunwürdigsten Arbeitsbedingungen hergestellt. Beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im April 2013 etwa starben über 1.100 NäherInnen. Das tragische Ereignis lenkte aber nur kurz die Aufmerksamkeit auf dieses Elend.

Tagtäglich erkranken zahllose Menschen in den Textilfabriken weltweit durch den ungeschützten Umgang mit Chemikalien. Und die bezahlten Löhne reichen nicht, um die Existenz zu sichern. Die Studie „Mode um jeden Preis? – Globale Bekleidungsproduktion, Arbeitsbedingungen, Produktionsketten, Profite, Gegenmacht“ wirft einen Blick hinter die schöne, saubere Welt der Auslagen und Geschäfte. Gerade in der vorweihnachtlichen Einkaufszeit soll für die KonsumentInnen sichtbar gemacht werden, was auf den Ladentischen landet. In der Studie werden die ökonomischen Strukturen und Entwicklungen in der globalen Textil- und Bekleidungsbranche beleuchtet. Und es werden Wege aufgezeigt, wie man in dieser Branche zu menschengerechten Arbeitsbedingungen gelangen kann und was KonsumentInnen, Unternehmen und PolitikerInnen dazu beitragen können.

Der Großteil der Bekleidung kommt heute aus Billiglohnländern in Asien. Im Wettbewerb um KundInnen drücken die Hersteller die Preise. Kinderarbeit, exzessive Überstunden, miserable Bezahlung, Haut- und Atemwegserkrankungen sind heute zur Regel geworden. 60 Millionen Menschen arbeiten in der Branche, die ihre Umsätze und Gewinne in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt hat. Aber weniger 1 Prozent des Verkaufspreises eines Kleidungsstückes landet bei den ArbeiterInnen als Lohn.

Die EU ist der größte Bekleidungsimporteur der Welt mit einem Jahresumsatz von etwa 500 Milliarden Euro. Diese Marktmacht könnte genutzt werden, schlägt etwa Studienautor Nepomuk HURCH vor. Zum Beispiel könnte der Marktzugang nach Europa an die Einhaltung von Menschenrechten und Arbeitsschutzbestimmungen gebunden werden. Markenfirmen könnten veranlasst werden, mehr Transparenz in ihre Wertschöpfungsketten zu bringen. Und KonsumentInnen könnten durch bessere Kennzeichnung unterstützt werden, fair zu kaufen.

Die stellvertretende Generalsekretärin der IndustriALL Global Union Monika KEMPERLE etwa fordert: „Hände weg von giftigen Textilien genauso wie von giftigem Kinderspielzeug, Hände weg von krankmachenden Chemikalien in der Textilindustrie, Hände weg von unwürdigen Arbeitsbedingungen und der Ausbeutung von Menschen. Denn es geht auch anders! Es geht um Mode zum fairen Preis – nicht billig, sondern sauber und fair für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in der globalen Bekleidungsindustrie.“ Michaela KÖNIGSHOFER von der Clean Clothes Kampagne weist darauf hin, dass Bewusstsein der KonsumentInnen spürbar wachse und der Großteil auch bereit wäre, für fair und nachhaltig produzierte Waren mehr zu zahlen. Nur 27 Cent pro T-Shirt würden ausreichen, um den NäherInnen existenzsichernde Löhne zu bezahlen. Königshofer empfiehlt vor dem vorweihnachtlichen Einkauf jedenfalls einen Blick auf die Website der Clean Clothes Kampagne. Der Label Check gibt Auskunft darüber, auf welche Gütesiegel KonsumentInnen beim Einkauf achten können und der Firmen Check bewertet bekannte Markenfirmen auf Österreichs Einkaufstraßen hinsichtlich ihrem Engagement für faire und sichere Arbeitsbedingungen.


Hintergrundinformationen:

Dez. 4, 2015, 10:40:07 Heike Hochhauser
Hinterbliebene der Katastrophe von Rana Plaza
Hinterbliebene der Katastrophe von Rana Plaza
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